"Making of mei Motorhaube..."

 

Ich habe mich entschieden meinem größten und aufwendigsten Projekt eine eigene Seite zu widmen, es ist mein Meisterstück, mein ganzer Stolz und wenn mir im Mai 2020, als ich zum ersten Mal eine Airbrushpistole in der Hand hatte, jemand gesagt hätte, dass ich in gut zwei Jahren eine Motorhaube brushe, hätte ich diesen Jemand wohl schallend ausgelacht...😅

Also wie schon erwähnt geht's um eine Motorhaube... Die Planung begann ein paar Wochen zuvor mit der Motivfindung...meist mein größtes Dilemma...wenn ich mich wieder mal nicht entscheiden kann, was es werden soll... In diesem Fall fiel es mir aber relativ leicht... Ich wollte eine Raubkatze, aber Tiger und Löwen gibts recht häufig... Ich liebäugelte auch mit einem Leoparden oder Jaguar, aber als ich vor zwei Monaten bei einem Tierparkbesuch eine Luchsfamilie von 8 Mitgliedern beim ausgelassenen Spielen beobachten durfte, fiel die Entscheidung von ganz alleine... Auch stehen sie eher selten Model, sind heimisch und für jene, die diese majestetischen Tiere nicht kennen: das sind KEINE Main Coon Katzen, das ist die etwas größere Gattung, die im Wald wohnt und sich ihr Essen noch selbst besorgt...😅🙈

Bei solch einem Unterfangen ist die richtige Vorbereitung des Untergrundes wohl das Wichtigste... Ein kleiner Fehler und am Ende ist das ganze mühevolle Werk hinüber... Ich hatte unglaublichen Respekt und auch richtig Angst vor dieser Expedition Motorhaube, aber ich wollte nicht mehr warten, es ist an der Zeit, dass gesehen wird, was ich mache...!

Als erstes hab ich mit meinem Mann, die Motorhaube abmontiert und dann gings ordentlich ans sauber machen... Alle Harzeinschlüsse und sämtlicher Dreck wurden ordentlich entfernt. Dann wurden sämtliche nicht zu lackierenden Teile sauber abgeklebt. Danach kommt das Anschleifen, einer der wichtigsten Schritte der Vorbereitung... Der gesamte Lack wird angeschliffen, ansonsten finden die Airbrushfarben keinen Halt und können sich mit dem Untergrund nicht verbinden... Bei diesem Schritt werden auch alle Steinschläge, kleine Macken und leichte Kratzer ausgeglichen... Wichtig ist, dass man keine Stelle übersieht, alles anmattiert ist und nichts mehr glänzt... Im Übrigen ists auch so, dass es ab diesem Moment kein Zurück mehr gibt...denn wenn du nun dein Vorhaben abbrichst, kannst du die Haube so nicht lassen und mußt sie neu lackieren... Also soooo einfach, wie sich das einige vielleicht vorstellen, ist das Ganze auch nicht... Es beginnt mit guter Vorbereitung und gerade am Anfang muss man sich gut einlesen, sich informieren und etwas Wissen aneignen, mit welchem mich meine zwei Lieblingsairbrusher Jürgen und Roland stets wohlwollend und großzügig versorgen...ohne die Beiden, hätte ich mich wohl nicht getraut das an zu gehen... Zwei, mir eigentlich "Fremde" die mir mittlerweile zu sehr guten Freunden wurden, die wohl immer etwas mehr in mir sehen, als ich selbst es tue und sich jedes Mal mit mir freuen und meine kleinen Erfolge mit mir feiern, als wären sie etwas Besonderes... 1000 Dank dafür...🙏❤️🙏!!!

Der nächste wichtige Teil kommt mit dem Entfetten... Die Haube wird nach dem Anschleifen noch mal gründlich sauber gemacht und vom Schleifstaub und restlichen Schmutz befreit und dann wird das ganze Teil gründlich entfettet...mit Silikonenferner oder Waschbenzin. Keine Stelle darf übersehen werden... Verbleiben Fett- oder Klebereste auf dem Untergrund, wird die Farbe dort nicht halten und wenn man es zu spät merkt, hat man spätestens beim neuerlichen Entfetten ein "Loch" in seinem Werk, weil da die Farbe ab geht... Sowas zu reparieren ist ärgerlich, da jedes Bild einen Farbaufbau hat und hinterher sowas schwer ist ordentlich auszubessern und die Farben so hin zu bekommen, ohne dass man diesen Pfusch hinterher noch sieht...

Da die Haube recht dunkel ist, habe ich die Vorzeichnung in weiß gemacht und dann mit den grundlegenden Farben vorgelegt... Ich habe das gesamte Motiv freihand gebrusht mit zwei Airbrushpistolen, einer fürs Grobe und einer fürs Feine...

Als ich das Motiv fertig mit den Fellfarben ausgemalt hatte, begann ich mit dem Fell... Ich glaube, es sind Millionen kleine Härchen - eine Heidenarbeit - aber ich finde, man sieht es halt auch im Ergebnis...

Schon beim ersten Luchs, hab ich meine Entscheidung bereut, zwei von dieser Sorte zu machen, aber hinterher war es genau richtig so...😅🥰 Aber es gab schon Momente, wo ich dachte, ich krieg den Sch... einfach nit fertig...😂🙈

Als der erste dann fertig ausfelliert war, bin ich aber schon stolz rotiert in meiner kleinen Airbrushecke und je mehr ich schaffte, desto größer wurde meine Freude... Aber immer im Hinterkopf, dass noch genug Zeit wäre, um das Ganze zu ruinieren...😬😅

Härchen für Härchen entstanden zwei große Katzenköpfe und auch wenn es ein langwieriges Unterfangen und auch anstrengend war, konnte ich es kaum erwarten irgendwann damit rum zu fahren... Es war/ist für mich das "Wichtigste", was ich je gemacht habe, da es wirklich gesehen werden würde. Und da mich meine wichtigsten Menschen - und das sind NICHT viele, die mir ohne Mißgunst frei heraus sagen können, dass sie gut finden, was ich tue, ohne dass ihnen ein Steinchen aus der Krone fällt - immer wieder darin bestärkt haben und mir sagten, dass ich mich nicht verstecken müsse mit dem was ich kann und mache, war dies mein bisherig größtes Kunstabenteuer... Ohne Zweifel nicht nur mit positiven Momenten, aber hinteher betrachtet hat sich jeder Nevenzusammenbruch ausgezahlt, den ich dabei durchlebt habe...😂

Einer der größten Momente bei solch einem tierischen Projekt ist wohl immer das ausfärbeln... Hier wird dem ganzen Fellknäuel Leben eingehaucht... Wie so oft im Leben, macht die Dosis dabei das Gift und ich hab im Laufe der Zeit gemerkt, dass weniger oft mehr ist... Die Schwierigkeit liegt meist darin, die richtigen Farben zu erwischen und ermischen...

Als der Erste aus seinem schwarz-weiß-Film Erlösung fand, war ich nur noch happy...😅😁😁😁 Und auch der direkte Vergleich zwischen dem noch farblosen und dem bunten Fellknäuel hatte etwas an sich, was mir enorm gefiel... Man sah dann wirklich schon den extremen Fortschritt und ich wußte, nun ist auch bald mal das Ende in Sicht... Nur nichts mehr falsch machen...nur nichts mehr ruinieren auf den letzten Metern...😬🙈😬

Als Fellknäuel I und Fellknäuel II eine farbige Einheit bildeten, gaben sie wirklich ein hübsches Pärchen ab... Ein paar Highlights wurden danach noch raus gezogen, aber bald würden die Augen fällig sein...

Die Augen mache ich immer am Schluß...! Erst wenn ich der Meinung bin, dass der Rest in Ordnung ist, arbeite ich die Augen aus...

Sie sind nunmal das Wichtigste an einem Geschöpf - egal, ob Mensch oder Tier. Sie sind der Punkt am i, und gleichzeitig die Vollendung eines Wesens... Sie haben die Eigenschaft ein ganzes Werk zu verändern. Würde ich sie als erstes machen, würden sie ablenken vom Rest und das ganze Geschöpf drum herum, würde in der Ausarbeitung darunter leiden... Ganz am Schluß kommen die Schnurrhaare...mein Schißmoment ich gebs ehrlich zu... Damit siegt oder fällt das ganze Werk... Aber ich hab mich dermaßen zusammen gerissen und gehofft, dass der Tip dry sich in Grenzen hält und habs, im wahrsten Sinn des Wortes, einfach durch gezogen...und ich habs geschafft...😁🙏

Im Hintergrund kam noch Hot Rod Sparkle zum Einsatz für den besonders funkelnden Augenblick und dann kam einer der schlimmsten Momente des ganzen Projektes...das Entfetten...der Moment, wo sich zeigt, ob man alles richtig gemacht hat... Ich lüge nicht, wenn ich sage, mir schlug das Herz bis zum Hals und das Überschnaufen fiel mir schwer... Mit halb geschlossenen Augen wischte ich vorsichtig die Haube mit Silikonentferner ab und...es hat alles gehalten... Wär ich 20 Jahre jünger, wär ein Purzelbaum die Folge gewesen...😂

Die nächsten Tage waren meine größte Nervenprobe: als es zum Lackierer ging... Würde alles halten...? Hoffentlich löst der Lack nicht die Farbe an...! Hoffentlich wischen die nicht mit Nitroverdünnung drüber...! Hoffentlich hab ich alles ordentlich angeschliffen und entfettet...! ABER es ist alles gut gegangen, und als ich nach Tagen des unter Strom stehens mit meinem Mann vor der fertig lackierten Motorhaube stand, fand ich erst mal keine Worte und ein paar Tränchen der Erleichterung und Freude bahnten sich ihren Weg in die Freiheit... Es war einer der glücklichsten und stolzesten Momente meines Lebens als mein Mann mich in den Arm nahm und meinte:

"Boah, des host echt perfekt gmocht!"

🥰❤️🥰

Ich hatte es geschafft!

Nach ca. 80 Stunden Arbeit und Gefühlschaos, stand ich vor einer perfekt lackierten Motorhaube, mit meinem eigenhändig produzierten Airbrush darunter...

Abgesehen davon, dass ich diesen Beitrag natürlich aus Stolz schreibe, ist es mir auch ein Anliegen, dass man sieht, wieviel Arbeit in solch einem Werk steckt und dass es mit ein bisserl draufsprühen nicht getan ist...! 

Und ich möchte zeigen, was möglich ist, wenn man etwas wirklich möchte... Auch ohne den richtigen Background, ohne Gönner, ohne dass man die "richtigen" Leute kennt, ohne Kurse, ohne Chancen, die man vielleicht nur in den "richtigen" Kreisen hat. Einfach nur mit seinem Willen und Üben...

Die meisten Leute, die mich privat kennen, wissen, dass ich in meinem Leben nicht mit Glück gesegnet bin und Talent - wie es oft genannt wird - alleine reicht in unserer Welt halt leider auch nicht aus um zu etwas zu kommen...

Es ist sehr viel mit Glück verbunden, mit den Leuten, die man kennt, oder nicht kennt, ob man Wohlwollen zu spüren bekommt oder einem Neid entgegen schlägt...

Auch wenn es nicht einfach ist, setzt mir dieses Projekt ein Zeichen, dass es doch nicht ganz verkehrt sein kann, was ich mache und wie ich mich dabei fühle...!

Erst im Gegenwind erreicht man ungeahnte Höhen!

Wenn dir gefällt was du siehst, bist du ❤️lich eingeladen, diesen Artikel zu teilen... Es kostet dich nichts, außer ein paar Sekunden deiner Zeit...

❤️ DANKE DAFÜR...❤️

Mei Catmobil...😅☝️